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Motorherz


Neustart beim SV Motor Altenburg

geschrieben von  Abteilung Fussball /  Freitag, 03 August 2018 14:25
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Erste Mannschaft aus Landesklasse zurückgezogen

Altenburg wird in der kommenden Saison keinen Landesklassefußball sehen können. Nach einer nicht zu stemmenden Anzahl an Abgängen sieht sich der SV Motor gezwungen, seine 1. Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden und in der Kreisklasse neu anzufangen. Trotz intensiver Bemühungen war es nicht möglich, ein Team aufzustellen, das den Erwartungen und Idealen des Vereins entspricht. Konzentrieren will man sich nun auf die Jugendarbeit. Aus der ehemaligen 2. Mannschaft wird nun die 1. Mannschaft, die in der Kreisklasse um Punkte kämpfen wird.

 

Es ist sicherlich kein Geheimnis, dass der achte Tabellenplatz in der zurückliegenden Saison nicht den Erwartungen des Vereins, der Mannschaft und der Fans entsprach. Nach einer starken Hinrunde, einer lange anhaltenden Tabellenführung und einer guten Leistung im Pokal gegen Drittligist Jena folgte nach der Winterpause der Einbruch. Durch arbeits- und verletzungsbedingte Ausfälle war auch die Situation für das Trainerteam um Andreas Brieger, der nach der Winterpause das Amt von Ronald Werner übernahm, nicht leicht. Durch die wachsende Unzufriedenheit, die durch eine Serie an vermeidbaren Niederlagen entstand, geriet das Team in eine Art Abwärtsstrudel.

Nachdem die sportliche Leitung zuerst von einer verschmerzbaren Anzahl an arbeitsbedingten Abgängen ausging, wurden trotz guter Voraussetzungen und eigentlich erfolgreich geführten Verhandlungen aus fünf Abmeldungen aus der 1. Mannschaft plötzlich schnell dreizehn.

Über einige wenige Abgänge wurden wir schon frühzeitig informiert, zumal diese aus vertretbaren Gründen erfolgten und offen kommuniziert wurden. So verließen uns F. Schillbach, A. Ast und C. Schmidt arbeits- bzw. studiumbedingt. N. Teichmann und L. Mühlmann suchten eine neue Herausforderung bei Oberligist Wismut Gera. Wir sind natürlich besonders gespannt auf die Entwicklung unserer beiden Torhüter, die so am Erfolg einer der stärksten Mannschaften in ganz Thüringen mitarbeiten möchten.

Enttäuscht sind wir jedoch von den Personen, die immer wieder schlechte Stimmung verbreiteten, dadurch einen großen Anteil an der schwachen Rückrundenleistung hatten und für ihre persönlichen Probleme oft andere verantwortlich machten, obwohl sie als Führungsspieler dazu in der Lage sein sollten, auch in Zeiten von sportlichen Krisen Optimismus zu verbreiten und Vorbild für andere Spieler zu sein.

Intransparenz und teilweise auch Fehlverhalten seitens einiger dieser Führungsspieler sorgten für weitere Unruhe im Umfeld der Mannschaft und trugen schließlich auch mit dazu bei, das Motor in diese prekäre Situation schlitterte. Mit ihren Abgängen wurde eine Kettenreaktion in Gang gesetzt die sich auf andere Spieler übertrug und nicht mehr gestoppt werden konnte. Dabei war der Verein finanziell, personell und auch organisatorisch gut aufgestellt. Im Background kümmerten sich viele ehrenamtlich und rührend um die Belange und das Wohlbefinden der Mannschaft. Zudem fand das Team auf dem Stadionareal immer hervorragende Trainings- und Wettkampfbedingungen vor. Insgesamt also optimale Voraussetzungen um eigentlich eine erfolgreiche Saison zu spielen.

Natürlich wurde in der Vergangenheit auch der eine oder andere Fehler gemacht – in einem Verein, der von Menschen geführt wird, ist dies nicht immer zu vermeiden. Dass ein einfaches „Weiter so!“ nach der vergangenen Rückrunde, in der man schließlich auch zweimal mit nur zehn Spielern zu Auswärtsspielen reiste, für den gesamten Verein nicht in Frage kam, ist dabei selbsterklärend.

In den letzten Wochen verbrachte man Unmengen an Zeit damit, zahlreiche neue Spieler zu testen und einen konkurrenzfähigen Kader zu basteln. In einer Phase wo die meisten Vereine bereits ihre Kaderplanungen abgeschlossen hatten und mitten in der Vorbereitung standen, gestaltete sich die Spielersuche allerdings auch sehr schwierig. So wurde zwischenzeitlich sogar die Verpflichtung tschechischer Vertragsspieler in Betracht gezogen. Der SV Motor Altenburg möchte nun jedoch den Schritt gehen, sich von Fahrgeldern und vergleichsweise hohen "Aufwandsentschädigungen", die selbst in den unteren Ligen schon Usus sind zu verabschieden.

Ohne eine eigene A-Jugend ist es jedoch praktisch unmöglich, unter diesen Voraussetzungen ein Team aufzubauen, das den sportlichen Anforderungen gewachsen ist. Die beiden Testspiele gegen Frohburg (0:3) und Waldenburg (1:4) bestätigten diese Prognose. Sich nun umfassend mit Spielern aus den umliegenden Großstädten zu verstärken, würde das Problem nur aufschieben, jedoch nicht aufheben. Daher sah sich der Verein gezwungen, die Reißleine zu ziehen und sich aus der Landesklasse zu verabschieden. Zukünftig will Motor wieder mehr Wert auf Bodenständigkeit legen

Wir möchten keine Illusionen erzeugen: Bei einem Verein wie dem SV Motor Altenburg, der zu DDR-Zeiten regelmäßig mehrere tausend Zuschauer im Stadion begrüßte, nun ohne 1. Mannschaft dazustehen, ist natürlich ein Unding. Darüber sind wir als Verein genauso enttäuscht wie alle Fans. Wir möchten jedoch versichern, dass wir jeden erdenklichen Hebel in Bewegung gesetzt haben, um uns für die kommende Saison gut aufzustellen. Leider sind wir dabei nicht der erste und auch nicht der letzte Verein, der eine erfolgreiche Mannschaft zurückziehen muss. Dieses Problem zieht sich durch ganz Thüringen und darüber hinaus.

Als 1. Mannschaft wird nun die ehemalige 2. Mannschaft auflaufen. Diese startet in der 1. Kreisklasse Staffel A und wird alles dafür tun, dass es langfristig wieder nach oben geht. Dies schaffen wir jedoch nur, wenn wir unsere Jugendmannschaften kontinuierlich weiterentwickeln. Der SV Motor Altenburg soll mit allen seinen Mannschaften nun ein Verein für jene Spieler werden, die sich einhundertprozentig mit den Farben Schwarz und Gelb identifizieren und Fußball als Hobby und nicht als Nebenjob sehen.

Natürlich wird es auch für die neue Mannschaft nicht leicht, schließlich schloss man die letzte Saison noch als Letzter der mittlerweile aufgelösten 2. Kreisklasse ab. Mit zahlreichen neuen Spielern an Bord will das Team jedoch in der Liga angreifen. Motor steckt dabei schon mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison. Beim ersten Training nach der Verkündung der Auflösung der Landesklasse-Mannschaft war die Stimmung ausgesprochen gut. Alle Spieler sind fest entschlossen, sich gut zu präsentieren und die Tradition des SV Motor Altenburg weiterleben zu lassen – auch wenn man dafür die eine oder andere Extrameile gehen muss. Das erste Pflichtspiel startet dabei am 26. August. Dabei bekommt man es im Kreispokal mit dem 1. FC Greiz zu tun, was ein echter Härtetest für das Team sein wird.

Der Rückzug der 1. Mannschaft hindert den SV Motor Altenburg natürlich nicht daran, die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre im Gesamtverein fortzusetzen. So wird Motor auch in der kommenden Saison wieder mit vielen Jugendmannschaften und einem Frauenteam an den Start gehen.

Zum Schluss möchte sich der SV Motor Altenburg bei allen bedanken, die uns in dieser schweren Phase bis zum Schluss begleitet und bedingungslos unterstützt haben. Allen voran das Trainerteam Andreas Brieger / J. Kolditz und Betreuer Reinhard Weise sowie alle verbliebenen Spieler die bis zum Schluss ausharrten.

Alle Abgänge bis zum Rückzug der 1. Mannschaft im Überblick: F. Schillbach, A. Ast, C. Schmidt (alle arbeitsbedingt), N. Teichmann und L. Mühlmann (Wismut Gera), R. Heuschkel (Gera-Westvororte), F. Schmidt (SV Schmölln), S. Ollert (Meerane), K. Müller, D. Syhre, A. Korent (alle SV Ehrenhain), Th. Rolle und J. Busch (Karriereende)

Abteilung Fussball

Gelesen 718 mal Letzte Änderung am Sonntag, 05 August 2018 00:39

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